Schweden war für mich schon immer ein ganz besonderer Ort, von dem ich lange geträumt habe. In Gedanken bin ich unzählige Male mit einem VW-Bus durch das Land bis nach Schwedisch Lappland gefahren. Lange schien so eine Reise mit Kindern für uns aber einfach zu weit und zu aufwendig. Schließlich haben wir uns entschieden: Wir machen es möglich — mit dem Wohnmobil und der ganzen Familie! Unser Traum von Camping in Schweden wurde endlich Wirklichkeit.


Zwei Wochen Urlaub standen uns zur Verfügung. Da der VW-Bus, noch, nur in meinen Träumen existierte, liehen wir uns das Wohnmobil der Schwiegereltern. Die Fähre von Rostock nach Trelleborg in Schweden buchten wir ein paar Tage vor Abfahrt. Dann ging es schon los, nicht wirklich vorbereitet aber voller Vorfreude!
Unsere Kinder waren gleich begeistert als wir ihnen das Reiseziel verrieten! Mit dem Wohnmobil durch Schweden! Die Heimat von Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf und den Kindern aus Büllerbü! Die Aufregung war bei ihnen riesig! Wenn gleich, sie sich absolut nicht vorstellen konnten, wie weit die Fahrt nach Schweden sein würde. Ich muss gestehen, ich hatte die Distanzen auch unterschätzt.
Von unseren Wohnort in Südtirol aus, zeigte unser Navi 1000 Kilometer bis zur Fähre nach Rostock. Natürlich bereitet uns die lange Strecke, durch ganz Deutschland mit zwei kleinen Kindern, etwas Kopfzerbrechen. Sowie der Zeitdruck, die gebuchte Fähre nach Schweden am folgenden Tag zu erwischen.
Fahrt nach Rostock
Am letzten Schultag, vor den großen Sommerferien gings los. Wir holten die Kinder von der Schule und dem Kindergarten mit dem Wohnmobil ab. Unsere Reisegefährt nach Schweden ist ein Fiat Ducato Wohnmobil mit Alkoven. Über die Brennerautobahn ging es Richtung Norden nach Schweden. Erster Zwischenstopp war München, dort trafen wir uns kurz mit meinen Eltern zum Mittagessen auf einem Rastplatz.
Weiter gings! Nach unserer ersten Pause war die Fahrt mühsam, die vielen Baustellen, zähflüssiger Verkehr und die nicht enden wollende Fragerei der Kinder ob wir nicht bald mal da wären. Um die Kinder bei Laune zu halten wechselten wir häufig die Sitzplätze, vertrieben uns die Zeit mit viele verschiedene Kartenspiele und Büchern. Natürlich durften sie bei der langen Fahrt auch ein paar Filme auf dem Laptop gucken. Mich begeisterten schon die unzähligen Windräder, die endlosen Wälder und die Ebenen Brandenburgs. Als wir auf der Höhe von Berlin waren entschieden wir auf einem kleinen Rastplatz zu schlafen.
Die Nacht war bescheiden, viel zu nahe an der Autobahn, laute Automusik und dubiose Tauschgeschäfte anderer Verkehrsteilnehmer hielten mich wach. Bis Rostock wollten wir zügig weiter kommen, da die Fähre nach Trelleborg schon nachmittags ablegen sollte. Wir hatten Glück, kein Stau und brave, geduldige Kinder. So schafften wir es noch bei Media Markt in Rostock vorbei zu schauen, denn wir hatten unsere Lautsprecherbox und unseren Milchschäumer zu Hause liegen gelassen.
Fährfahrt nach Trelleborg
Viel zu früh erreichten wir den Hafen von Rostock. Schnell fanden wir unser Terminal: die Frau am Check-in teilte uns mit, die Fähre nach Trelleborg hätte 2 Stunden Verspätung. Als Entschädigung bekamen wir Gutscheine für den Shop an Bord der Fähre. Dennoch war die Warterei in der Hitze wirklich anstrengend. Glücklicherweise hatten wir in unserem Kühlschrank ein kleines Eisfach, das rettete die Laune der Kinder. Sie wollten doch endlich an Bord des gigantischen Schiffes gehen.


Als wir endlich auffahren durften war die Freude groß. Wir hatten eine 4 Bettkabine mit Fenster gebucht, was sich als Goldrichtig herausstellte. Nachdem wir die Fähre ausgekundschaftet hatten, lösten wir noch unsere Gutscheine im Shop ein. Ich suchte mir eine Elchtasse aus, total kitschig, trotzdem war ich extrem stolz auf mein erstes schwedisches Souvenir. Die Kinder entschieden sich für Lego, mit dem sie während unserem gesamten Schwedentrip am meisten spielten.


Geschlafen haben wir nicht sonderlich viel, angekommen sind wir in Schweden nach 6 Stunden Überfahrt, mitten in der Nacht. Im Vorfeld hatte ich mir den ersten Stellplatz, nahe des Hafens ausgesucht, damit wir nicht lange herum irren mussten.
Ales stenar – die Steine von Ale
Wie wunder, wunderschön! Aufwachen, die Ostseeküste mit einen Sandstrand vor der Wohnmobiltüre und die Sonne schien auch kräftig! Unseren ersten Kaffee tranken wir mit Blick auf das Meer. Die Kinder spielten im Sand und waren einfach nur happy. Der Parkplatz liegt am Böste Strand, hinter einer kleinen Düne. Leicht zu finden auf Park4Night.



Als Ausflugziel des Tages suchte ich die Steine von Ale heraus. Beim Ort Kaseberga parkten wir den Camper auf einem großen Parkplatz, mit Möglichkeit zum übernachten. Ein Fußweg führte uns vorbei an blühenden Wegpflanzen zum etwa 37 Meter hohen Hügel direkt an einer steil zum Meer abfallender Abbruchkante. Es war sehr heiß, die Kinder waren nicht begeistert die 59 Steine, die in Form eines Schiffes aufgestellt sind, zu besichtigen.




Doch kaum an der Schiffssetzung aus der Wikingerzeit angekommen, frischte der Wind auf und neues Leben kam in die Kinder. Schnell wurde beschlossen die sandige Abbruchkante hinunter zu laufen. Der schmale Weg führte hinab zum Meer, links und rechts herrlicher wilder Klatschmohn. Am Strand angekommen suchten wir uns ein nettes Plätzchen zum picknicken. Wir schauten den Kühen zu wie sie durchs Meer wateten. Was für ein komischer Anblick.
Der Rückweg war weniger lustig. Übernächtige Kinder und die Hitze machte uns zu schaffen. Schnell wurde entschieden weiter zu fahren, damit die Kinder über Mittag, während der Fahrt, etwas schlafen konnten.
Autofriedhof Kyrkö Mosse – Asnen See
Nächster Halt, Autofriedhof Kyrkö Mosse bei Ryd in Smaland! Am Nachmittag erreichten wir das Waldstück, in dem der Abstellplatz für ca. 150 Rostlauben liegt. Wir spritzten uns davor großzügig mit Mückenspray ein, die Biester waren äußerst angriffslustig. Das Gelände des Autofriedhofes ist recht weitläufig, man geht auf einem gut ausgebauten Pfad an Wracks vorbei, die von Moos und den Tannennadeln erobert werden. Die Rostlauben sind teilweise im weichen Waldboden versunken oder in Begriff von Sträuchern überwuchert zu werden. Eine Wrack ist interessanter wie das andere. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Junior verstand die Welt nicht mehr. Wie kann man nur ein Auto dermaßen im Stich lassen?!?



Wir suchten eine Weile nach einem geeigneten Stellplatz, entschieden uns dann aber für einen Campingplatz bei den Asnen Seen. Campingplatz Asnensee



Kärrasands Camping Urshult liegt wunderschön am Ufer des großen Asnen Sees. Große, bewaldetet Stellplätze mit Blick auf den See überzeugten uns sofort. Die typischen, idyllischen roten Schwedenhäuser ließen keine Zweifel mehr offen: Wir hatten es geschafft, waren endlich im Sehnsuchtsland Schweden angekommen. Wir gingen abends noch im Asnen See schwimmen. Ein langer Holzsteg mit Bänken und Einstiegshilfe musste noch ausprobiert werden. Die Abendstimmung war einfach nur magisch! Der spiegelglatte See leuchtete in der untergehenden Mitternachtssonne in einem wunderschönen farbspiel. Ich wünschte mir die Zeit würde an diesen zauberhaften Ort stehen bleiben.


Morgens gingen wir gleich wieder zum See schwimmen. Ein kleiner Sandstrand mit Wasserrutsche begeisterte die Kinder. Wir hatten Glück und durften bis Mittags auf unserem Stellplatz bleiben. Unschlüssig waren wir noch, wo es als nächstes mit unserer Reise durch Schweden hingehen sollte.
Pause am Vättern See – Übernachtungsplatz Irgendwo im Nirgendwo
Weiter gings Richtung Norden. Es war schon am späten Nachmittag als wir endlich den Vättern See erreichten. Die Kinder waren sehr quenglig, das lange sitzen im Camper war ihnen zu viel geworden. Vom Ansen See bis zum Vättern See wäre es eigentlich nicht all zu weit, aber die Laune war im Keller. Sicherlich auch weil wir Eltern keinen genauen Plan hatten wohin es als nächstes gehen sollte. Wir wussten nur eins, weiter Strecke machen damit wir irgendwann hoch oben im Norden von Schweden sind. Noch glaubten wir daran…



Am Vättern See fanden wir in der Nähe von Jönköping einen Parkplatz direkt am See mit Spielplätzen, Duschen, Toiletten und Picknicktischen. Es war viel los, trotzdem hatten die Kinder ihren Spaß am See. Überall an den Picknickplätzen waren ziemlich freche, große Möwen, wir mussten unser Abendessen sehr gut beschützen. Das Wasser des Sees war eiskalt, nicht so angenehm warm wie der Ansen See an dem wir noch vormittags schwammen.
Nachdem die Kinder bettfertig waren entschieden wir noch weiter zu fahren. Vorbei am Vättern See ging es hoch nach Örebro. Die Kinder schliefen hinten in ihren Kindersitzen, die Mitternachtssonne schien hell und wir fuhren durch nicht enden wollende Wälder, an wunderschönen spiegelglatten Seen vorbei.
Ganz plötzlich geschah es: ein ELCH!!! Unser erster Elch überquerte vor unserem Wohnmobil die Straße! All die Warnschilder vor Elchen, die so typisch für Schweden sind, bereiten einen ja eigentlich darauf vor, aber als es so weit war konnten wir es doch kaum glauben… welch ein Glück diesen majestätischen Elch gesehen haben zu dürfen. Natürlich wurde uns auch gleich bewusst, wie glimpflich unsere Begegnung abgelaufen war.
Wir suchten uns einen Übernachtungsplatz an einem See aus. Eigentlich sah die Straße am Anfang recht gut aus. Leider wurde sie immer schmäler, holpriger und steiler. Schnell stellte sich heraus, ein umdrehen war unmöglich und wir beteten dass wir am See eine Möglichkeit zum wenden finden würden. Unten angekommen gab es einen mini Parkplatz am Ufer eines kleinen Sees.
Für uns war klar, hier bleiben wir auch wenn wir unsere Entscheidung sofort bereuten. Mücken! So viele Mücken! Aggressiv stürzten sie sich auf das Wohnmobil und uns. Trotzdem, wir waren viel zu müde um weiter nach einem Stellplatz zu suchen. Bis tief in die Nacht kamen Badegäste, für uns Unvorstellbar wie die Schweden bei der Aggressivität der Mücken, so seelenruhig schwimmen konnten.
Västeras – mit dem perfekten Wohnmobilstellplatz
Am nächsten Morgen war an ein Frühstück in der Natur nicht zu denken. Unsere Nachbarn, die Mücken, waren immer noch hungrig. Schnell die Stützen des Wohnmobil hochgekurbelt und zurück über dem holprigen, steilen Waldweg zur Hauptstraße. Wir fanden einen netten Rastplatz an einem andren, großen See und frühstückten dort in Ruhe ohne Plagegeister.


Da wir wirklich dringend die Versorgung und Entsorgung des Campers erledigen mussten fuhren wir in die Stadt Västeras. Auf einem netten Wohnmobilplatz stellten wir schon zu Mittag den Motor ab. Zur Anmeldung wurde eine Park App benötigt, dort registrierte man sein Nummernschild und bezahlte per Kredit Karte. Im ersten Moment ungewohnt, aber eigentlich sehr viel unkomplizierter als manch Check-in eines Campingplatzes.



Highlight der Kinder: der Skaterpark nur wenige Meter entfernt. Mit ihren Cityrollern hatten sie großen Spaß auf den Halfpipes. Nachmittags macht wir einen Spaziergang ins Centrum von Västeras, das vom Stellplatz gut zu Fuß erreichbar war. Ein gemütliches Städtchen mit schöner Fußgängerzone mit vielen Geschäften. Abends kühlten wir uns noch im See ab, der Strandabschnitt befindet sich in der Nähe des Stellplatzes. Auf der großen Liegeflächen grillten Familien und wir entdecken die ein oder andere Shisha Pfeife. Die Stimmung war locker, wir fühlten uns wohl und genossen die Abendstimmung am See. Der Wohnmobilstellplatz war für uns wirklich perfekt, er hatte alles was wir benötigten. https://vasterasgasthamn.se/
Weiter geht es mit Teil 2 im Wohnmobil durch Schweden: nächster Stopp: Gävle, Stockholm und auf den Spuren Astrid Lindgrens. Schweden Teil 2




Exciting start to summer! Road-tripping from school to Sweden in a cozy motorhome sounds like a dream. Safe travels and happy adventures